Feierabend.
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Fabian Biekmann hat Feierabend. Endlich. Was für eine beschissene Woche! Allein heute wurde er dreimal mit „Frau Biekmann“ angesprochen. Das war der letzte Tag, mit dieser verdammten Frisur. Auf dem Weg nach Hause kommt er an nem Auto vorbei, an sich nichts Ungewöhnliches. Aber das hier hat kein Herrchen und ne offene Tür, hinten rechts die.
Erinnert ihn an den Auftrag von heute morgen: Er und Holbrecht und dieser Depp von LIDL. Der hats einfach nicht gerafft mit der Kasse. Ließ sie immer offen, die Lade, mit ihren bunten Schätzen aus Papier. Und jedes Mal musste Biekmann notieren: „M. gibt Rückgeld und lässt Lade offen stehen. Wahrscheinlich Demenz. Oder Dummheit. Oder Vorsatz, dann keine Demenz.“ Biekmann bekommt immer Durchfall, wenn er Dinge zweimal aufschreibt. Dumme Angewohnheit von früher. War schon in der ersten Klasse ganz schlimm. Allein das a wurde hundertmal pro Stunde wiederholt. Mindestens. Und Fabi vorne an der Tafel, schweißgebadet.
Heute isses ganz knapp. Knapp drüber. Eigentlich müsste er jetzt zuhause sein und mit dem Lappen für Untenrum ein Tänzchen wagen. Aber er will ein bisschen lustig sein. Wenigstens heute. Immerhin schon lange her, seit er jemanden mit seinem Talent unterhielt. Er steigt ein und klettert vor auf den Beifahrersitz. Nach zehn Minuten kommt die Besitzerin, knallt die Tür zu und geht zur Fahrerseite. Sie steigt ein. Biekmann will freundlich sein und ruft “Hallihallo!“ Die Frau kreischt auf.
Sie: „Junge Frau, wer sind Sie? Und warum haben Sie Männersachen an?
Biekmann (schmallippig): „Fabian Biekmann.“
Dann Stille. Sie mustert ihn von Kopf bis Becken. Der Rest versteckt sich unterm Handschuhfach.
Sie: „Sofort raus da!“
Biekmann: „Aber ich hab nix anderes dabei, nur diesen Anzug.“
Sie: „Aus dem Auto, Mann!“
Biekmann lässt einen fahren.
Sie: „Haben Sie gerade in mein Auto gefurzt?“
Biekmann: „Tschuldigung, heute gabs Erbensuppe. Ehrlich. Ich ess die eigentlich nie. Sonst nehm ich immer Schnitzel. Aber heute war ich der letzte in der Kantine. War n bissel viel zu tun den ganzen Tag.“
Sie: „Sind Sie fertig? Machen Sie wenigstens das Fenster auf.“
Biekmann kurbelt wie ein Irrer vor und zurück, aber die Kurbel klemmt. Er reißt und schiebt und drückt in alle Richtungen. Nichts. Es stinkt weiter nach Erbsensuppe.
Sie: „Wird’s bald?“
Biekmann: „Es klemmt.“
Sie: „Ich glaub, bei Ihnen klemmts. Das isn elektrischer. Der Knopf ist da vorne. Was Sie grade bearbeiten, ist eine Pfeffermühle, die Sie schon die ganze Zeit in der linken Hand halten.“
Biekmann läuft rot an. So was ist ihm immer peinlich. Zum Glück ahnt die Frau nicht, was er mit der Mühle noch so alles anstellt – abends, wenn er wieder allein vor seinem leeren Aquarium steht. Früher wohnten da mal Schildkröten drin, zwei Stück. Bis Biekmann die Pfeffermühle geschenkt bekam. Von Muttern, die wollte immer nur das Beste für ihren Fabi.
Die Frau greift rüber und drückt den Fensterheberknopf. Den zum Senken.
Er furzt. Und es ist einer von denen, die nicht enden wollen. Diesmal in hohen Tönen, eher son nasses Pfeifen. Wie ein umherzirpender Luftballon.
Sie: „Ich weiß, die Erbsen.“
Biekmann klettert wieder nach hinten. Für heute war er lustig genug.
Biekmann: „Schönen Abend noch!“
Er macht die Tür auf, furzt, und steigt aus. Weg ist er. Der Biekmann. Und die Tür steht offen, hinten rechts die.




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